Vom Müll zum Wertstoff: Das war das Reparatur & Upcyclingfestival
Am 9. Mai verwandelte sich der Anscharcampus in einen lebendigen Beweis dafür, dass Abfall oft nur eine Frage der Perspektive ist!
„War das gerade ein Elefant im Haus?“– so fragten viele Besucher*innen verwundert. Das laute Tröten war jedoch kein Tier, sondern der Soundtrack des Reparatur- und Upcyclingfestivals, bei dem Kinder und Jugendliche aus alten Gegenständen neue Musikinstrumente erschufen. Über 600 Besucher_innen nutzten den sonnigen Samstag nicht nur zum Beobachten, sondern zum aktiven Mitgestalten. In 25 Workshops wurde demonstriert, wie aus defekten Laptops, altem Holz, kaputten Fahrrädern und Plastikresten neue Funktionen und Ästhetiken entstehen können.
Der Fokus lag dabei auf praktischer Kompetenzvermittlung. Während People4Future zeigte, wie sich Balkonkraftwerke selbst bauen lassen, konstruierte Jan Heinrich gemeinsam mit Kindern eine riesige Murmelbahn. Meergut beleuchtete die Nutzung von Seegras als nachhaltigen Rohstoff, und UpWert vermittelte Techniken zur schnellen Reparatur alltäglicher Defekte. Auch kreative Ansätze kamen nicht zu kurz: Bei Trash Pick entstand Schmuck aus Meeresplastik, und Foodsharing kombinierte die Aufklärung über Lebensmittelverschwendung mit der Zubereitung von Smoothies aus geretteten Lebensmitteln.
Die kulinarische Versorgung durch die Resteritter unterstrich das Prinzip der regionalen Wertschöpfung, während das Zero Waste-Team der Stadt Kiel gemeinsam mit den Wiker und Gaardener ehrenamtlichen Reparateur_innen im „Tiny Rathaus" ein Pop-Up Reparaturcafé eröffnete und konkrete kommunale Angebote vorstellte. Der musikalische Ausklang durch die Band Nativo rundete ein Programm ab, das deutlich machte: Nachhaltigkeit ist kein Nischenthema, sondern eine gesellschaftliche Notwendigkeit.
Der Kontext: Warum solche Initiativen dringend gebraucht werden
Die Bedeutung solcher Veranstaltungen wird erst durch die Dimensionen der aktuellen Abfallkrise in Deutschland und speziell in Kiel vollständig greifbar. Die folgenden Daten unterstreichen das Potenzial von Reparatur und Upcycling:
- Elektroschrott (E-Schrott): Basierend auf Daten aus dem Jahr 2023 fielen in Deutschland pro Kopf etwa 2,7 kg Elektroschrott an. Das entspricht einer Gesamtmenge von rund 228.800 Tonnen jährlich. Ein erheblicher Teil davon enthält wertvolle Metalle wie Gold, Kupfer und seltene Erden, die durch Reparatur und fachgerechtes Recycling zurückgewonnen werden könnten, statt in der Verbrennung zu enden.
- Sperrmüll: Die Menge an sperrigem Abfall ist ebenfalls beträchtlich. Das Umweltbundesamt verzeichnet jährlich mehrere hunderttausend Tonnen an Sperrmüll. Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland jährlich etwa 815.000 Tonnen (2023) Sperrmüll anfallen. Ein großer Anteil davon besteht aus langlebigen Gütern wie Möbeln und Haushaltsgeräten, deren Lebensdauer durch einfache Reparaturen oft deutlich verlängert werden könnte, bevor sie als Abfall entsorgt werden müssen.
- Kunststoffmüll: Deutschland gehört zu den Ländern mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Kunststoffverpackungen. Insgesamt fallen in Deutschland jährlich rund 17,92 Mio. Tonnen Kunststoffabfälle an (inklusive Verpackungen und nicht-verpackungsbedingter Kunststoffe). Davon werden zwar große Mengen recycelt, doch ein signifikanter Teil landet in der thermischen Verwertung oder gelangt – wenn auch in geringeren Mengen als früher – in die Umwelt. Initiativen wie die Umwandlung von Meeresplastik in Schmuck (wie beim Festival gezeigt) sind ein wichtiger Baustein, um das Bewusstsein für diese Materialströme zu schärfen. --> Link zum UBA
Das Reparatur- & Upcyclingfestival hat gezeigt, dass der Weg zur Kreislaufwirtschaft nicht nur politisch, sondern auch im gesellschaftlichen Handeln beginnt.
➝ Link zu den Fakten des Umweltbundesamts.
Für weitere Informationen zu lokalen Initiativen steht der Circular City Guide für Kiel zur Verfügung.
Wir sagen ein großes, herzliches Danke an alle, die mit angepackt und dieses Programm so vielfältig gestaltet haben! Es war eine Freude, mit euch zusammenzuarbeiten. Besonders dankbar sind wir für die Unterstützung durch:
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- Circ@Home
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- CoffeeBike Eckernförde
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- Digital Learning Campus
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- DLC Art Lab
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- Eveline Havertz
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- Findus Upcycling
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- Foodsharing
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- Greta Magyar
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- Jan Heinrich
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- Marion Pinnau
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- Meergut
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- Nativo Band
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- Permakulturzentrum
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- People4Future Kiel
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- Ralf Ehmke
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- Rhythms of Resistance
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- Resteritter
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- Selbstgebaute Musik
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- Trash Pick
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- Tom Voß
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- UpWert
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- Wertstoffbox e.V.
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- Zero Waste Kiel e.V.
Das Festival wurde im Rahmen des Projektes Creative Circular Cities in Kooperation von der Heinrich-Böll-Stiftung Schleswig-Holstein und dem Anscharcampus durchgeführt und ist gefördert durch Interreg Baltic Sea Region, kofinanziert durch die Europäische Union und der Landeshauptstadt Kiel.
Einige Impressionen:



- Zero Waste Kiel e.V.