Creative Circular Cities

Kurzprojekt Goldmine

Von Schrott zu Schatz: Wie Studierende des Industridesigns die Kreislaufwirtschaft neu erfanden
Stellen Sie sich vor, Sie betreten einen Schrottplatz. Was sehen Sie? Ein chaotisches Sammelsurium aus rostigem Metall, kaputter Elektronik und vermeintlichem Müll? Für 38 Studierende der Muthesius Kunsthochschule war dieser Ort jedoch etwas ganz anderes: eine Goldmine.

Im Rahmen des spannenden Kurzprojekts „Goldmine" haben wir erlebt, wie kreatives Design die Grenzen zwischen Abfall und Wertstoff verschwimmen lässt. Als Teil des Interreg-Projekts „Creative Circular Cities" wurde in Kiel bewiesen, dass die Zukunft des Designs nicht in neuen Rohstoffen liegt, sondern in der Wertschätzung des Vorhandenen.

Die Challenge: 5 Tage, ein Schrottplatz, unzählige Möglichkeiten
Das Konzept war radikal einfach und gleichzeitig extrem anspruchsvoll: Innerhalb von nur fünf Tagen sollten die Studierenden des Fachs Industriedesign der Muthesius Kunsthochschule Produkte entwickeln, die nicht auf neuen Materialien basieren, sondern ausschließlich auf Fundstücken vom lokalen Schrottplatz.
Keine CAD-Modelle von theoretischen Teilen, keine Bestellungen bei Lieferanten. Stattdessen: Hände schmutzig machen, Material begreifen und die eigentliche „Goldmine" finden. Die 38 Teilnehmer mussten lernen, mit den Unvollkommenheiten, Rostspuren und Formen des Altmaterials zu arbeiten, statt sie zu verstecken.

Mehr als nur Upcycling: Die drei Säulen der Zukunft
Was dieses Projekt besonders macht, ist, dass es nicht bei oberflächlichem „Upcycling" stehen bleibt. Die Studierenden waren verpflichtet, ihre Entwürfe an strengen Kriterien der echten Kreislaufwirtschaft zu messen. Jedes entstandene Produkt musste sechs fundamentale Kriterien erfüllen :

  1. Langlebigkeitsdesign – robuste Materialien, zeitlose Ästhetik
  2. Reparierbarkeit – schrauben statt kleben, Zugang zu Komponenten
  3. Modulares Design – austauschbare Teile statt Gesamtaustausch (z.B. Akkus, Displays)
  4. Design for Disassembly – leichte, sortenreine Demontage für Recycling
  5. Reuse/Remanufacturing – Bauteile zweites oder drittes Leben geben
  6. Emotionales Design – Produkte, die man behalten will statt schnell zu ersetzen

Diese Prinzipien zeigen: Wahre Nachhaltigkeit beginnt nicht beim Recycling, sondern in der ersten Skizze. Ein Produkt, das modular aufgebaut ist, bleibt im Kreislauf, lange nachdem andere längst im Müll gelandet wären.

Warum Produktdesign der Schlüssel zur Kreislaufwirtschaft ist
Das Projekt „Goldmine" hat uns eine wichtige Lektion erteilt: Design ist der Übersetzer zwischen Materie und Mensch.
In einer linearen Wirtschaft (nehmen – herstellen – wegwerfen) ist Design oft dafür verantwortlich, Produkte attraktiver zu machen, damit sie schneller verkauft werden. In der zirkulären Wirtschaft übernimmt Design eine völlig neue Rolle: Es wird zum Hüter der Ressourcen.
• Materialbewusstsein: Durch den direkten Kontakt mit dem Schrottplatz haben die Studierenden gelernt, dass jedes Stück Metall oder Plastik eine Geschichte und ein Potenzial hat.
• Innovation durch Einschränkung: Die Beschränkung auf 2nd-Hand-Materialien zwang zu kreativen Lösungen, die bei neuen Materialien vielleicht nie entstanden wären.
• Systemwandel: Die entwickelten Prototypen sind Beweise dafür, dass wir nicht aufhören müssen, Dinge zu konsumieren – wir müssen nur aufhören, sie als Einwegartikel zu betrachten.
Ein Blick in die Zukunft

Die Ergebnisse des Kurzprojekts sind mehr als nur studentische Übungen. Sie sind Manifeste für eine neue Art des Konsums. Sie zeigen, dass wir in der Lage sind, unsere Städte und unseren Alltag in geschlossene Kreisläufe zu verwandeln, wenn wir den Mut haben, den Müll anders zu betrachten.
Das Projekt „Goldmine" ist ein leuchtendes Beispiel dafür, wie Bildungseinrichtungen wie der Anscharcampus und die Muthesius Kunsthochschule als Katalysatoren für den Wandel wirken können. Sie bilden nicht nur Designer aus, sie bilden Gestalter einer nachhaltigen Zukunft aus.

Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit der Muthesius Kunsthochschule im Rahmen des von der EU-kofinanzierten Projekts „Creative Circular Cities“ durchgeführt. Weiterführende Informationen zum Projekt findet ihr untern folgenden Links:

Impressionen der Produktergebnisse: